Blockchain lässt die Banken sterben – Aber was passiert mit den Mitarbeitern?

Axel L. aus Pforzheim fragt:

Hallo Herr Müller, ich hatte vor einigen Wochen das Vergnügen Ihrem Vortrag in Hamburg zu folgen. Gestern las ich nun zufällig ein Interview von Ihnen in der HANSAWELT. Ich glaube ich habe jetzt erstmals verstanden, um was es bei Blockchain überhaupt geht. Da ich in einer Bank arbeite, mache ich mir allerdings ernsthaft Sorgen um meine berufliche Zukunft!

Karsten Müller antwortet:

Ich habe kürzlich bei einer Veranstaltung gehört, dass sich im deutschen Bankensektor ca. 450 Entwickler mit der Blockchain auseinandersetzen. Die weltweite Entwickler-Community, allein im Bereich der Ethereum-Blockchain, wird auf ca. 150.000 geschätzt. Alles wilde und junge Typen, die aber natürlich nicht nur Projekte für den Finance-Bereich machen. Die Zahlen kann ich zwar nicht überprüfen, aber vorstellbar ist das schon. Ich glaube, die etablierten Banken haben hier wenig entgegenzusetzen. Ich habe mich übrigens vor einigen Tagen mit der Fragestellung, was mit den Banken passiert, etwas ausführlicher in DAS
INVESTMENT
geäußert. In der Tat denke ich, dass die Bankenwelt in ein paar
Jahren deutlich anders aussehen wird.

Axel L.:

Besten Dank. Ich habe Ihren Artikel gelesen. Das sieht ja wirklich nicht gerade rosig aus. Ich arbeite seit nunmehr 11 Jahren in der Betreuung vermögender Privatkunden. Das wird übrigens alles zunehmend mühsamer. Eigentlich dürfen wir gar nichts mehr beraten. Und insgesamt ist die Devise, nur noch große Vermögen zu betreuen. Die kleinen sollen wir aussortieren…

Karsten Müller:

Ich glaube, da ist Ihre Bank keine Ausnahme. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass direkte Kundenbeziehungen eher nützlich sind. Es lässt sich ja vieles mittels Blockchain automatisieren und rationalisieren. Der Zahlungsverkehr, das Börsengeschäft oder neue Wege der Kapitalbeschaffung. Aber bei dem Beratungsdefizit im Privatkundenbereich, und das ganz speziell in Deutschland, wird es wohl noch lange kompetente Leute und das zugehörige Vertrauen brauchen.

Axel L.:

Ich sehe das durchaus ähnlich. Aber viele meiner Kollegen nehmen zum Beispiel die Robo-Advisor nicht ernst. Ich sehe das anders. Da ich selber nicht mehr richtig beraten darf, kann den Rest auch bald ein Roboter machen.

Karsten Müller:

Ich glaube, so schnell wird das nicht gehen. Erst kürzlich wurde bei einer Round-Table-Diskussion das Thema hochgeholt. Ein Vertreter der Robo-Zunft musste dabei eingestehen, dass sein Unternehmen zunehmend auf Kundenveranstaltungen setzt. Für mich hat das gezeigt, dass hier eine Koexistenz möglich und sinnvoll ist. Allerdings müsste das auch heißen, dass Berater auch wieder beraten dürfen. Sonst sind sie in der Tat überflüssig.

Axel L.:

Besten Dank Herr Müller. Vielleicht verdiene ich ja mit Ihrem Chainberry Fonds so viel, dass ich mich zur Ruhe setzen kann.

Möchten sie den Chainberry Talk auch in Zukunft verfolgen, dann melden Sie sich hier zum Chainberry Talk an.

Sie möchten Fragen stellen, dann schreiben Sie uns eine E-Mail an talk@chainberry.de und vermerken bitte, ob Sie eine rein persönliche Antwort wünschen oder der Dialog auch im Chainberry Talk veröffentlicht werden kann.