China lässt die Märkte zittern – Aber Bullenmarkt bleibt in Takt

Thomas F. aus Hanau fragt:

Sehr geehrter Herr Müller, ich habe in meinen Herbstferien Ihr Buch „Blockchain-Boom“ mit großem Interesse gelesen. Ich stimme mit Ihnen überein, uns stehen große Veränderungen bevor. Allerdings frage ich mich, ob man jetzt in Blockchain investieren sollte? Die Zeitungen schreiben, dass der Aufwärtstrend an den Börsen vorbei ist. Wie ist Ihre Meinung?

Karsten Müller antwortet:

In der Tat haben die Aktienmärkte weltweit korrigiert. Dem konnten sich auch technologielastige Blockchain-Unternehmen nicht entziehen. Auslöser war ein Schub der langfristigen Zinsen in den USA. Je höher die Zinsen, desto weniger attraktiv sind Aktien.

Ich denke aber, dass der lange Bullenmarkt nach wie vor in Takt ist. Allerdings sollte auch die aktuelle Korrektur noch nicht vorüber sein. Die nächsten Tage und Wochen scheinen, zumindest bis zu den Zwischenwahlen in den USA, noch etwas holprig zu bleiben. Auch hängt einiges davon ab, ob die amerikanische Notenbank ihren straffen geldpolitischen Kurs beibehält.

Thomas F.:

Was haben die Zwischenwahlen in den USA mit der Entwicklung am Aktienmarkt zu tun?

Karsten Müller:

Hier kommt vieles zusammen. Die Amerikaner fahren bekanntlich aktuell einen harten Kurs in ihrer Handelspolitik. Vor allem China soll gezwungen werden, seine Märkte weiter zu öffnen. Dieser Wunsch steht allerdings diametral zur chinesischen Zukunftsstrategie. Die Chinesen versuchen sich also zu wehren. Eine Waffe ist der Kapitalmarkt. Die Chinesen halten bekanntlich enorme Bestände an US-Staatsanleihen. Gut vorstellbar ist daher, dass sie davon Pakete auf den Markt werfen und so zur Verunsicherung an den Märkten beitragen. Dabei könnten sie die Zwischenwahlen am 06. November im Auge haben. Verunsicherung an den Kapitalmärkten könnte bei den Wahlen der Trump-Partei einiges an Stimmen kosten. Und ein geschwächter US-Präsident ist sicherlich einfacher in Handelsfragen zu „besiegen“.

Thomas F.:

Und welche Rolle spielt die amerikanische Notenbank FED in diesem Zusammenhang?

Karsten Müller:

Die FED ist seit geraumer Zeit dabei, ihren ultralockeren Kurs aus Zeiten der Finanzkrise zu korrigieren. Sie erhöht stufenweise die Leitzinsen und baut ihren Bestand an Anleihen ab. Damit gibt sie aber ein stückweit auch die Kontrolle über die Zinskurve auf. Während sie über lange Zeit hinweg über den Aufkauf von Anleihen mit langer Laufzeit auch die langfristigen Zinsen kontrolliert hat, überlässt sie diese zunehmend dem freien Markt. Und das ist natürlich ein Steilpass für Akteure wie z.B. China, hier für etwas Trouble zu sorgen.

Thomas F.:

Die FED spielt also den Chinesen in die Hände? Was meinen Sie, wer wird das Kräftemessen zwischen den beiden Supermächten USA und China gewinnen?

Karsten Müller:

Ich denke beide werden gewinnen, und Europa noch dazu.

Thomas F.:

Das entspricht jetzt nicht gerade der gängigen Meinung.

Karsten Müller:

Zunächst erwarte ich, dass sich das Wachstum in den USA ein wenig abflacht. Das wird natürlich auch nicht der FED verborgen bleiben. In einigen Wochen werden wir hier Signale bekommen, dass die FED auf einen moderateren Kurs einschwenkt. Sie wird signalisieren, dass sie ihren Zinserhöhungszyklus etwas verlangsamt. Außerdem ist davon auszugehen, dass die US-Notenbank mit Argus-Augen beobachtet, ob fremde Länder versuchen Verwerfungen im Zinsbereich zu verursachen. Im Zweifel wird sie dagegenhalten und gewinnen. Merke: Der Bullenmarkt kann eigentlich nur von der FED gebrochen werden. Und das ist nicht ihr Ziel. Aber zurück zum Handelskonflikt. Hinter den Kulissen wird mit Sicherheit um Lösungen gerungen. Keiner darf dabei das Gesicht verlieren. Ich denke, am Ende wird ein Deal stehen, der vorteilhaft für alle Beteiligten ist. Alle werden Handelsbarrieren beseitigen. Nicht nur die Chinesen, auch die Amerikaner und die Europäer. Wenn wir in ein paar Jahren auf diesen Konflikt zurückblicken, könnten wir ihn als positiven Wendepunkt im Welthandel in Erinnerung behalten. Wird China zu einem fairen Handelspartner, profitieren alle. Auch die Europäer.

Sobald die Marktteilnehmer bemerken, dass sich der Handelskonflikt auflöst und auch an der Zinsfront wieder Ruhe einkehrt, werden wir auch wieder Freude an den Aktienmärkten haben.

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